Natürlich ist Lesen nach wie vor eines meiner Hobbys, aber oft genug kämpfe ich schon darum, die Standardlektüre (Tageszeitung und Spiegel) zu bewältigen. Und da waren im vergangenen Jahr ja auch noch die Vorbereitungen auf die Ausflüge nach Luxemburg und insbesondere Australien, die einiges an Lektüre im Internet und auf Papier erforderten. So war das, was ich an Büchern sonst noch gelesen habe, zuvörderst leichte Lektüre. Das eine oder andere sei dennoch erwähnt:
Von meiner Tochter Kirsten habe ich zum Geburtstag das Buch Achilles' Verse von Achim Achilles (Pseudonym des Journalisten Hajo Schumacher) bekommen. Ich möchte es allen, die gerne mal joggen und lachen, empfehlen; mir hat es so gut gefallen, dass ich mir auch noch Achilles' Laufberater zugelegt habe ...
Dann gab es "für zwischendurch" natürlich einige Krimis. Die haben dann immer den Nachteil, dass man sie möglichst in einem Rutsch durchlesen will, und dann bleibt alles andere liegen ... Diesmal waren u. a. alte Bekannte wie Henning Mankell (Wallanders erster Fall, Kennedys Hirn, Vor dem Frost) dabei und Patricia Cornwells Romane um Key Scarpetta (Das letzte Revier, Staub), aber auch ein Spontankauf aus meiner Bücherei hier in Friedrichsdorf: Schrei nach Stille von Anne Chaplet, der in Frankfurt und einem nordhessischen Dorf spielt, die (ja selbst erlebten) 68er Jahre als Hintergrund hat und die Psychologie des Dorflebens als Gegenstand; nicht ganz überzeugend für mich, aber eine schöne Abwechslung.
Wer diese Seite meiner Homepage ab und an besucht, weiß, dass ich auch historische Romane goutiere, vor allem, wenn der zeitliche Hintergrund gut dargestellt wird. Diese Literaturgattung war im vergangenen Jahr zweifach vertreten: Einmal durch Martina Kempffs Die Königsmacherin, dessen Titelfigur die Mutter Karls des Großen ist. Zum anderen habe ich den Schweden (ja, trotz des Namens) Jan Guillou "entdeckt", der bekannt wurde durch eine Krimireihe um einen (schwedischen) Geheimdienstmann mit dem schönen Spitznamen Coq Rouge (auch ganz amüsant zu lesen). Der hat eine Serie mit dem Obertitel Der Kreuzritter geschrieben, die bereits vor ca. zehn Jahren erschien, lange vergriffen war und nun wieder neu aufgelegt wurde/wird. Die einzelnen Bände heißen Aufbruch, Verbannung, Rückkehr und Erbe (letzteres angekündigt für Frühjahr 2010); gelesen habe ich den ersten (noch unter dem alten Titel "Die Frauen von Götaland") und angefangen den zweiten Band, und ich finde die Geschichte spannend und gut geschrieben. Der dritte Band liegt schon bereit, und den vierten werde ich mir auch zulegen, wenn die Qualität weiter so bleibt.
Szenenwechsel: Vom frühen Mittelalter zum 20. / 21. Jahrhundert, in denen aber immer noch mittelalterliche Vorstellungen virulent sind und oft Menschen zerstören. Davon erzählt die iranische Filmemacherin Siba Shakib in ihrem Buch Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen, das exemplarisch das Leben von Shirin-Gol unter dem alten Regime, der Herrschaft der Russen und dann der Taliban erzählt, ebenso erschütternd wie aktuell. Das Buch zeigt schonungslos das islamische Frauenbild, wie es - nach meinem eher geringen Wissen und Verständnis - weniger aus dem Koran als aus dessen (männlicher!) Auslegung entstanden ist. Es erinnert m. E. in manchem an das christliche Menschenbild des Mittelalters (womit wir wieder beim Kreuzritter wären) und ist unserem aufgeklärt-westlichem Denken kaum verständlich, dem wohl das Menschen- und Frauenbild im ersten Jahrhundert des Islam wesentlich näher steht. Mein Urteil zum Buch: Empfehlenswert!
Und da wir uns schon auf der Zeitachse nach vorne bewegen, will ich zum Abschluss an die Grenze zur Zukunft gehen: Immer wieder werden, vor allem im Bereich des Flugverkehrs, neue Sicherheitspläne entwickelt: Flüssigkeitskontrollen und Überwachungskameras, Bankdatenabgleich und Pässe mit biometrischen Daten, Datenaustausch zwischen Kranken- und Rentenkassen und und und ... Wir leben in einer mehr und mehr kontrollierten und vernetzten Welt, George Orwell läßt grüßen. Nur, dass es heute die technischen Möglichkeiten dafür gibt! Wohin das alles führen kann, wird sehr eindrucksvoll in der Trilogie um den Traveller beschrieben: Ein umfassendes Netz (the grid) versucht, alle Menschen zu erfassen. Die meisten sinds zufrieden, denn das garantiert Sicherheit, und "ich habe ja nichts zu verbergen" - haben wir das nicht alle schon mal gesagt? Natürlich gibt es ein paar Leute, die sich dem widersetzen, sonst wäre das ja keine Story! Aber es ist wirklich erschreckend, wie oft ich beim Lesen der Tageszeitung an diese Geschichte denken muss! Die Bücher heißen (ich habe die englischen Versionen) The Traveller und The Dark River, der dritte Band (The Golden City) ist in den USA bereits auf dem Markt und kommt dieser Tage in England heraus; sobald er als Taschenbuch vorliegt, steht er ganz oben auf meiner Einkaufsliste! Der Autor übrigens nennt sich John Twelve Hawks und lebt auch "off the grid" (was nicht heißt, dass man ihn nicht googlen könnte!).
Damit will ich meinen heutigen Bericht beenden; vielleicht habe ich ja ein wenig neugierig gemacht. Jedenfalls wünsche ich wie stets viel Spaß beim Lesen.