Das war sicher das Highlight für mich in diesem Jahr, und Schuld daran ist Thorsten: Als guter Vater konnte ich ihn ja nicht einfach ein halbes Jahr mit seiner Freundin in der Welt herumreisen lassen, ohne nach ihm zu sehen! Und so musste ich mir überlegen, wo ich ihn treffen wollte, und habe mich für Australien entschieden. Glücklicher Weise war Kirsten bereit, mich zu begleiten, und so machten wir uns - mit zwei Tagen Verspätung, am 21. Oktober auf den Weg nach Singapur. Leider hatten wir nur drei Wochen Zeit, was natürlich für einen ganzen Kontinent viel zu wenig ist; wir haben daher entschieden, uns drei Schwerpunkte zu setzen: Den Osten mit dem Great Barrier Reef, den Norden mit Darwin und dem Kakadu Nationalpark, und Sydney.
Dem entsprechend ging der Flug von Singapur aus weiter nach Cairns, wo wir zur besseren Akklimatisierung gleich einen Ausflug zum ehemaligen Bergbau- und heutigen Touristenstädtchen Kuranda machten: Wir erreichten es mit einer Seilbahn (Skyrail) dicht über den Wipfeln des Regenwaldes, den man an zwei Zwischenstationen auf kurzen Rundwegen genauer betrachten konnte. Auch in Kuranda waren solche Wege angelegt, und so konnten wir uns gut erste Eindrücke der subtropischen Vegetation verschaffen. Zurück ging es dann mit der Scenic Railway auf Gleisen, die früher dem Abtransport der geförderten Erze dienten und manchen atemberaubenden Ausblick ermöglichten.

Am Abend trafen wir dann Iris und Thorsten, die an diesem Tag einen Tauchausflug zum Riff unternommen hatten, und fuhren gemeinsam nach Port Douglas, unserem "headquarter" für die nächsten vier Tage. Den darauf folgenden Tag haben wir langsam angehen lassen, waren einkaufen und am Strand, und abends sind wir zur Mossman Gorge gefahren und haben dort unser (mitgebrachtes) Abendessen verzehrt. Am Ende der Trockenzeit führte der Fluss nur wenig Wasser, aber die Felsen im Flussbett ließen die Gewalt erkennen, mit der das Wasser sie in der - im November beginnenden - Regenzeit von den Bergen herunter gespült hatte.

Mit der Jahreszeit waren wir übrigens im Ganzen recht zufrieden: Zwar waren die Flüsse und vor allem die Wasserfälle weniger beeindruckend, aber wir kamen mit normalem Auto (ohne Allrad) fast überall hin, hatten praktisch immer gutes Wetter und nur wenig unter Insekten zu leiden.
Am folgenden Tag fuhren wir entlang der Küste nach Norden zum Daintree Nationalpark. Wir nutzten die Gelegenheit zu einer kurzen Bootsfahrt auf dem Daintree River, um Pflanzen- und Tierwelt am Ufer kennen zu lernen, und gelangten dann mit der Fähre über den Fluss in den Nationalpark. Weiter ging die Fahrt bis nach Cape Tribulation, das seinen Namen Captain Cook verdankt: Sein Schiff lief dort auf ein Korallenriff. Unterwegs hielten wir mehrfach an, um auf kürzeren oder längeren Wanderwegen (walks) die einzigartige Landschaft mit ihren pflanzlichen und (in geringerem Maße) tierischen Bewohnern zu erkunden und Aussichtspunkte (lookouts) zu besuchen.



Drei Essentials gibt es dabei (und generell in Australien) zu beachten: Sonnenschutz (Faktor 30 und höher, trotz Urwalds!), Insektenspray und Wasser, zu dessen Mitnahme man hier und verstärkt später im Kakadu-Nationalpark immer wieder aufgefordert wird ("Carry plenty of water!"). Am Cape Tribulation reicht der Regenwald bis ans Ufer, und das Korallenriff liegt sehr nahe an der Küste, weshalb dieser Ort in den Reiseführern mit "where the rainforest meets the reef" apostrophiert wird. Wir wollten dort eine Pause mit einem erfrischenden Bad im Meer verbinden; die Bilder zeigen, warum wir davon letztlich Abstand genommen haben:

Am Nachmittag machten wir uns dann auf den Rückweg, der uns wieder an Mossman Gorge vorbei führte, als gerade die Sonne hinter der Schlucht unterging.

Der nächste Tag brachte dann den lange erwarteten Ausflug zum Great Barrier Reef. Wir (genauer gesagt, Iris und Thorsten) hatten uns gegen die großen Schiffe mit 200 und mehr Passagieren entschieden und fuhren mit der Sailaway IV zur Insel Low Island am inneren Riff. Als wir den Hafen von Port Douglas verließen, war der Himmel bedeckt, und zeitweise regnete es ein wenig, aber am Riff war eitel Sonnenschein! So hatten wir und unsere ca. 30 Mitfahrer beste Bedingungen beim Schnorcheln, und wir verbrachten rund drei Stunden im Wasser, unterbrochen nur vom Mittagsbuffet an Bord. Die Korallenbänke begannen wenige Meter vom Ufer entfernt und boten alles, was man so aus Fernsehen und Büchern kennt - aber LIVE! Ich denke, die folgenden Bilder bedürfen keiner Erläuterung mehr ...


(Um kein Copyright zu verletzen: Den Rochen haben Thorsten und Iris bei dem Tauchgang fotografiert, den wir wegen unserer Verspätung leider nicht mitmachen konnten.)
Es war ein traumhafter Tag mit unvergesslichen Eindrücken. Und es war das Ende unseres verkürzten Aufenthalts dort; am folgenden Tag packten wir unsere Rucksäcke, fuhren nach Cairns zurück und flogen nach Darwin, zur zweiten Etappe unseres Australien-Trips.
Dort übernahmen wir - mit leichten Problemen - unser Auto für die nächsten Tage, fuhren in die Stadt und suchten uns zunächst eine Unterkunft für die erste Nacht. Nach einem kleinen Stadtrundgang mit Stopp im Internet-Cafe mussten wir dann noch für die kommende Tour durch den Kakadu-Nationalpark Verpflegung einkaufen, bevor wir am Abend am Hotelpool relaxen konnten.

Am nächsten Tag starteten wir früh, denn der Nationalpark liegt immerhin rund 200 km östlich von Darwin und hat laut Reiseführer eine Ausdehnung von 19.000 qkm! Er reicht im Osten bis zum Arnhemland-Gebirge und dem dahinter liegenden Arnhemland, das unter der Verwaltung der Aborigines steht und nur mit Sondererlaubnis betreten werden darf. Leider passte ein Besuch dort nicht mehr in unseren Zeitplan; interessiert hätte es mich schon. Im Nationalpark selbst gibt es im Norden bis ans Meer ausgedehnte Feuchtgebiete, südlich davon weitgehend flaches Savannenland mit einzelnen Felsformationen, In der Regenzeit ist der Nationalpark teilweise überflutet, während die Flusssysteme in der Trockenzeit wenig oder kein Wasser führen; an den verbleibenden Wasserstellen (Billabongs) konzentriert sich dann die reiche Tierwelt. Neben Fauna und Flora sind es vor allem die Felsmalereien der Eingeborenen, die sehenswert sind. Der Park ist mit wenigen Straßen und vielen Wanderwegen erschlossen, die zu den Hauptattraktionen und zu Aussichtspunkten führen.
Für den ersten Tag hatten wir uns Ubirr als Ziel gesetzt, eine der bekannteren Felsmalerei-Galerien. Sie ist etwas abgelegen, ganz in der Nähe des Arnhemlandes, und deshalb nicht ganz so sehr überlaufen. Unser Weg führte über Jabiru, den Hauptort des Nationalparks, wo wir kurz die (vorgebuchte) Unterkunft in Beschlag nahmen, einen sehr schönen Bungalow mit zwei Schlafzimmern, Küchenzeile und Essplatz sowie "Nasszelle": Ein separates Häuschen mit Toilette, Waschbecken und Dusche.


Anschließend besuchten wir das Bowali Visitor Center und fuhren dann weiter nach Ubirr, wo wir zum ersten Mal die Felsbilder im Original bewundern konnten. Diese Malereien sind zum Teil viele tausend Jahre alt und haben zumeist religiösen oder kulturellen Hintergrund, oft dienten sie wohl der Illustration beim Erzählen von Mythen und Geschichten. Sie sind mit wasserlöslichen Naturfarben gemalt und daher stark den Umwelteinflüssen ausgesetzt. Fachleute unterscheiden verschiedene Stile, deren zeitliche Einordnung dadurch erleichtert wird, dass immer wieder Bilder übereinander gemalt wurden (während es wohl verboten war, Bilder zu zerstören).

Nach der Besichtigung der Bildergalerie bestiegen wir den kleinen Berg, an dessen Fuß sie gelegen sind, und genossen einen weiten Ausblick über Ebene und einen grandiosen Sonnenuntergang.

Nach einer (langsamen und vorsichtigen) Nachtfahrt zurück nach Jabiru ließen wir den Tag sehr australisch - an einem der Barbeques - ausklingen.
Waren am ersten noch weite Strecken mit dem Auto zu überwinden, standen am zweiten "Kakadu-Tag" längere Walks im Vordergrund. Immer mit ausreichend Wasser versehen - wir hatten stets mindestens einen 10 l-Kanister im Wagen, den wir bei jeder Gelegenheit nachfüllten - besuchten wir in der Nourlangie-Region die Felsmalereien von Anbangbang und Nanguluwur. Die Bilder dort sind sicher beeindruckender als die in Ubirr, und an Motiven wie einem Segelschiff kann man erkennen, dass die Aborigines auch diesen aktuellen Teil ihres Lebens (der sich schnell als wenig segensreich für sie erweisen sollte), in der überlieferten Art einbezogen. Die aufgestellten Hinweistafeln erläutern nicht nur einzelne Bilder, sondern auch allgemeine Aspekte des Lebens dieser Menschen. So lernten wir, dass sie relativ kleine Clans bildeten, die zumeist unterschiedliche Sprachen gesprochen haben, von denen es wohl einmal 400 bis 500 gab; die meisten sind ausgestorben. Ihre Kultur tradieren sie in Geschichten, die teils Gemeingut, teils auch lokal sind.


Die verschiedenen Wanderungen zeigten uns auch immer wieder die weite Landschaft mit bizarren Felsformationen, wie man sie auch auf den Bildern sieht. Die Vorstellung fällt nicht leicht, wie man dort ohne unsere liebgewonnenen zivilisatorischen Errungenschaften überleben kann - insbesondere wenn das Wetter sich nicht, wie bei unserem Besuch, so von seiner (trotz der Hitze) schönen Seite zeigt, etwa in der Regenzeit.
Am Nachmittag erreichten wir dann die Gagadju Lodge am Yellow Water Billabong, wo wir in Bush Cabins übernachteten, die wirklich sehr "basic" waren: Container mit zwei Betten, einem Klapptisch mit Plastikstuhl, an der Wand zwei Haken und ein Spiegel, und die Klimaanlage; es gab eine Gemeinschaftsküche mit großem Kühlschrank, Toiletten, Waschräume mit Duschen (warmes Wasser gab es immer, kaltes nie!), eine Laundry mit Waschmaschinen und Trocknern und - natürlich - etliche BBQs, an deren einem wir uns für die Rundfahrt auf dem Billabong früh am nächsten Morgen stärkten.

Diese dreistündige Rundfahrt zeigte uns die Vielfalt der Natur am Wasser, insbesondere, da die Tiere vor der Hitze des Tages noch sehr aktiv waren. Sehr beeindruckend natürlich die zahlreichen Krokodile, aber auch die Vielzahl der Vogelarten, die teils einzeln, teils in Gruppen oder großen Schwärmen zu sehen waren. Auch hier gilt: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:


An dieser Stelle noch eine kurze Bemerkung zum Thema Buschbrände, die man auf manchen unserer Bilder erkennen kann; wir haben sie häufiger gesehen. In den letzten Jahren wurde oft von ihren verheerenden Auswirkungen berichtet, aber wir haben erfahren, dass sie zum allergrößten Teil mit Absicht gelegt werden und nur selten, im Norden fast nie, außer Kontrolle geraten. Die Ureinwohner Australiens legen sie seit vielen tausend Jahren, um abgestorbenes Unterholz zu beseitigen und Raum für neuen Pflanzenwuchs zu schaffen. Viele Pflanzen sind recht widerstandsfähig gegen Feuer, und manche Samen platzen sogar erst bei großer Hitze auf! Und die Brände direkt am Ufer des Yellow Water erschreckten weder die Tiere sonderlich, noch waren sie der Führerin unserer Bootstour auch nur eine Erwähnung wert ...

Nach diesem Highlight ging unsere Zeit im Kakadu NP dem Ende zu. Wir luden das Gepäck ins Auto und fuhren zum nahe gelegenen Warradjan Aboriginal Cultural Center, wo wir viele neue Informationen über die Aborigines, die "traditional landowner", ihre Geschichte, ihre Kultur und ihr Leben, erhielten (fotografieren war dort leider nicht erlaubt). Nach einem Zwischenstopp und Walk zum Bukbukluk Outlook verließen wir Kakadu in Richtung Lichfield Nationalpark, bei dem wir im Banyan Tree Motel übernachteten.
Der letzte Tag in den Northern Territories führte uns zunächst zu den Magnetic Termites im Lichfield NP. Diese besondere Termitenart kann das Erdmagnetfeld spüren und so seine Bauten exakt nach Nord-Süd ausrichten. Dadurch bieten sie der heißen Mittagssonne die geringste Oberfläche, während Morgen- und Abendsonne voll ausgenutzt werden; eine optimale Klimatisierung ist das Ergebnis. Allerdings gibt es dort auch "normale" Termiten, deren Hügel zumindest von der Höhe her doch beeindruckender sind ...

Im Kakadu NP hatten wir die bekannten Wasserfälle (Twin, JimJim Falls etc.) nicht besucht, da sie nur mit Allrad-Wagen erreichbar sind und in dieser Jahreszeit auch eher wenig Wasser führen. Im höher gelegenen Lichfield aber hielten wir an den Florence Falls an und gingen zum Pool der Fälle, wo wir die "krokodilfreie" Gelegenheit zu einem erfrischenden Bad nutzten; gut, dass Kirsten ihre Unterwasser-Kamera dabei hatte! Eine wirklich einmalige Badewanne war das und hat viel Spaß gemacht.

Danach ging es dann "streight on" nordwärts nach Darwin, wo wir im Travellodge das gleiche Zimmer wie in der ersten Nacht bekamen. Den Abend verbrachten wir in Mindil Beach, erst zum Sonnenuntergang am Strand, dann auf dem Mindil Beach Night Market, wo wir auch zu Abend gegessen haben.

Und am nächsten Morgen war dann, leider und viel zu schnell, die gemeinsame Zeit mit Iris und Thorsten vorbei: Während die beiden in der darauf folgenden Nacht nach Adelaide flogen, um über die Great Ocean Road nach Melbourne zu fahren, wurden Kirsten und ich früh am Morgen von Thorsten zum Flughafen gebracht und zu unserem Flug nach Sydney, dem dritten Abschnitt unseres Australien-Trips. Herzlichen Dank den Beiden für viel Vorbereitung, Organisation und Unterstützung, ihr wart super!!!!
Sydney, größte Stadt und die Metropole Australiens! Und wohl auch die bekannteste wegen zweier Bauwerke: Der berühmten Oper und der Harbour Bridge, deren Bild mit dem Neujahrs-Feuerwerk weltweit im Fernsehen erscheint. Wir kamen gegen Mittag an und brachten zunächst unser Gepäck zum Hotel, bevor wir bei einem ausgedehnten Abendspaziergang natürlich auch diese beiden besuchten und uns einen ersten Eindruck von der Stadt verschafften. Am nächsten Tag erweiterten wir unseren Radius: Nach der kurzen Bahnfahrt zur Town Hall gingen wir die George Sreet entlang, vorbei am Queen Victoria Building (heute ein Einkaufszentrum), nach The Rocks, dem ältesten Teil von Sydney; auf diesem Felsen oberhalb des Hafens entstanden ab 1788 die ersten Häuser. Dort liegt das Visitor Center, unser erstes Ziel, in dem wir uns mit Informationen versorgten. Anschließend schlenderten wir über den samstäglichen Markt und hinunter zum Circular Quay; das alles ist zentral und fußläufig gelegen. Sydney ist eine sehr ausgedehnte Stadt, die sich über 100 km am Meer entlang erstreckt und bis zu 70 km ins Land hinein. Fähren sind ein integrierter Teil des Verkehrsnetzes, und Circular Quay deren zentrale Anlegestelle. Wenige hundert Meter um das Hafenbecken herum liegt das Opera House, wo wir en passant die vorbestellten Theaterkarten abholten auf dem Weg zum Botanischen Garten. Den schönen Park darf man durchaus auch abseits der Wege durchwandern (siehe unten!) und die vielfältigen Pflanzen, alte und dementsprechend große Bäume bis hin zu Blumen und Kräutern, bewundern. In einigen Bäumen hingen, träge in der Tageshitze wie seltsame Früchte, hunderte von Flughunden (flying foxes), und der ausgedehnte Rosengarten stand bereits in voller Blüte. So waren wir bis zum späten Nachmittag beschäftigt und haben wohl noch vieles nicht gesehen. Den Rest des Tages nutzten wir zu einer Fahrt mit der Fähre zum Vorort Manley - eine der längsten Strecken - und zurück und erhielten so einen Eindruck von der Größe Sydneys; in dieser Stadt wohnen über vier Millionen Menschen und damit etwa ein Fünftel aller Australier! Nach diesem Tag waren unsere Augen mindestens ebenso müde wie die Füße, aber es war für beide Paare eine gute Übung für die folgenden ...



Natürlich hatten wir uns bei der Vorbereitung der Reise überlegt, was wir alles anschauen wollten, die Detailplanung aber den Umständen, etwa dem Wetter, entsprechend für eine kurzfristige Festlegung offen gelassen. Da wir an einem schönen Sonntag viele Besucher bei den Sehenswürdigkeiten im Zentrum vermuteten, stand an diesem Tag ein längerer Spaziergang entlang der Küste von Coogee nach Bondi Beach auf unserem Programm, der im Reiseführer vorgeschlagen wurde. So fuhren wir mit dem Bus nach Coogee, liefen zum Strand, applizierten reichlich Sonnenmilch auf alle sichtbaren Stellen, und gingen los. Der Weg folgt dem Verlauf der Küste, und so war er deutlich länger als die Luftlinie. Im Prinzip ist die Küste steil, so 10, 15, 20 Meter hoch, aber in fast allen Buchten gibt es einen Sandstrand, so das jeder der dicht an dicht gelegenen Vororte einen eignen Strand, oft auch noch ein Schwimmbecken, besitzt. Und alles war an diesem Sonnen-Sonntag bevölkert, häufig fanden (organisierte) Wettkämpfe von Kindern jeglicher Altersstufen statt, und wir hatten ebenso viel Spaß beim Zusehen wie die Kinder selbst. Wegen der Gegebenheiten war der Weg keineswegs eben und zum Teil recht anspruchsvoll, aber wir waren ja gut im Training und hatten viel Gesellschaft, Spaziergänger, Wanderer wie wir, und etliche Jogger. Als wir uns dann Bondi Beach näherten, wurde es eng: Dort wurde entlang des Weges ein Open Air unter dem Titel "Sculptures by the Sea" veranstaltet mit vielen unterschiedlichen Installationen, die ein zahlreiches Publikum fand; einiges kann man auf den Bildern sehen.


Nach der Mittagsrast am Strand von Bondi Beach schauten wir noch kurz auf dem Markt dort vorbei, der aber qualitativ weit hinter dem von The Rocks blieb, so dass wir ihn schnell wieder verließen. Der Bus brachte uns zurück in die Innenstadt, wo wir uns Chinatown und das Spanish Quarter ansehen wollten: Chinatown fanden wir schnell, sehr typisch, aber recht klein, und das Spanische Viertel suchten wir vergebens. Also wanderten wir am Spätnachmittag durch Hyde Park und an der Archibald Memorial Fountain vorbei zum Sydney Tower, um uns von oben die Stadt und den Sonnenuntergang anzusehen.

Auf dem Heimweg dann nochmal ins Internet Cafe, und beim Abendessen legten wir für den kommenden Tag den Taronga Zoo als Ziel fest.
Und so schlugen wir am nächsten Morgen nach dem Frühstück den mittlerweile bekannten Weg zum Circular Quay ein und bestiegen die Fähre nach Taronga. Natürlich sind wir nicht nach Sydney gefahren, um dort afrikanische oder europäische Tiere zu bewundern, und haben uns also auf die australische Tierwelt konzentriert, mit den Schwerpunkten - klar - Kängurus und Koalas. Als erstes lernten wir, dass Koalas so etwa 20 Stunden am Tag verschlafen, daher etwas abseits gehalten werden und nur zu bestimmten Zeiten besucht werden dürfen. Der Zugang ist eingeschränkt durch ein Extraticket (20 $ für bis zu vier Personen, incl. eines offiziellen Erinnerungsfotos, aber es dürfen auch die eigenen Kameras benutzt werden), und zur Sicherheit für beide Seiten ist der direkte Kontakt untersagt (durch Bundesgesetz!). Wir waren ja nur zu zweit und überlegten heftig, ob wir das Geld investieren sollten; Kirsten löste das Problem, indem sie zwei ebenso skeptisch blickende junge Damen ansprach, wie sich heraus stellte aus Finnland. Wir waren uns schnell einig, dass 5 $ pro Nase (der Ausdruck liegt nahe bei Koalas ...) akzeptabel ist, und kamen den putzigen Tierchen doch noch recht nahe:

Da waren die Kängurus, die natürlich in etlichen Unterarten vertreten waren, vergleichsweise unkompliziert, und auch sonst gab es einige nette (nicht nur australische) Zoobewohner, an denen wir uns an diesem schönen Frühlingstag erfreuen konnten.

Es war schon Nachmittag, als wir den Zoo verließen und mit der Fähre zurückfuhren, gerade richtig, um uns im Hotel etwas frisch zu machen, in "Schale" (d. h. die etwas besseren, am Vorabend schnell noch aufgebügelten Sachen) zu werfen und zurück zur Oper zu fahren: Schließlich hatten wir ja Karten für "The Taming of the Shrew" an diesem Abend. Als ich die Karten bestellte, lange vor unserer Reise, war das die einzige in meinen Augen sinnvolle Aufführung im gegebenen Zeitraum, zwar Sprechtheater, aber hinreichend bekannt, um die Handlung auch in Englisch verfolgen zu können. Und nun stellte es sich heraus, dass es durchaus ein Glücksgriff war: In der Inszenierung der Bell Shakespeare Company wurde der Originaltext (in moderner Form natürlich) verwendet, aber alle (!) Rollen von Frauen gespielt - Hosenrollen invers! Das Bühnenbild war recht einfach gehalten und mit modernen Elementen (etwa einem Telefon) angereichert, was einen interessanten Kontrast zu den Kostümen ergab. Und das Theater selbst mit einer hervorragenden Akustik trug dazu bei, dass es in unseren Augen ein rundum gelungener Abend wurde, ein (weiterer) Höhepunkt unserer Reise!

Eigentlich wollten wir damit unser Australien-Abenteuer praktisch abschließen und den letzten vollen Tag als Ausklang und für den Kauf von Souvenirs nutzen. Wegen der verspäteten Anreise hatten wir unseren Rückflug aber um einen Tag verschoben, und an dem "gewonnenen" Tag konnten wir einen Ausflug in die Blue Mountains machen, der sonst der knappen Zeit zum Opfer gefallen wäre; ins Auge gefasst hatten wir das schon als Option bei der Vorbereitung. Nun liegen die Blauen Berge ein gutes Stück von Sydney entfernt, und deshalb packten wir unser Frühstück in den Rucksack und begaben uns schon früh auf die gut zweistündige Bahnfahrt nach Katoomba. Der Ort liegt fast 1000m hoch, und im Hotel hatte man uns gesagt, da oben könne es schon deutlich kühler sein und auch regnen. Wir waren also auf alles gefasst - und froh, genug Wasser und Sonnenmilch dabei zu haben, denn es wurde einmal mehr ein schöner und warmer Tag! Vom Bahnhof ging es quer durchs Städtchen zum Visitor Center am Rande des Nationalparks, und dort suchten wir uns unsere Route aus: An den benachbarten "Three Sisters" den "Giant Staircase" fast senkrecht hinunter ins 200 - 300m tiefer gelegene Tal und dort am Abhang entlang und einigen Wasserfällen vorbei zum Nachbarort Leura, von dessen Bahnhof der Zug keine zehn Minuten bis nach Katoomba gebraucht hatte. In Leura würden wir wieder hinauf klettern und dann das weitere Vorgehen bedenken.
Nachdem wir am Visitor Center den Ausblick auf die Blue Mountains und insbesondere auf die Drei Schwestern genossen (und uns eingecremt) hatten, marschierten wir los. Schnell erreichten wir das "Treppenhaus", und dort wurde es in der Tat ziemlich gigantisch: Mehr als 900 Stufen ging es steil hinunter, teils aus dem Felsen gehauen, teils über eingebaute Metalltreppen, in engen Serpentinen und immer wieder mit weiten Ausblicken.

Dann waren wir im Tal angekommen und froh über den Schatten der teils Regenwald-ähnlichen Vegetation. Wir folgten dem schmalen Pfad und genossen die Natur, nur selten gestört durch andere Wanderer. Der Weg folgte vielen Ausbuchtungen der Felswand, die praktisch senkrecht aufragt; an etlichen kleinen Wasserfällen ging es steil nach oben, bevor wir den Wasserlauf überqueren und auf der anderen Seite wieder hinunter steigen konnten. Es war kein Spaziergang, sondern halt ein "walk", laut Prospekt zum Teil nur für erfahrene Wanderer - aber zu denen zählten wir uns ja mittlerweile. Und so entschieden wir uns, nicht gleich bei der ersten Gelegenheit nach Leura hinauf zu klettern, sondern gingen den Weg weiter - über einen abenteuerlichen Ausblick vom Bridal View Outlook bis zu den Gordon Falls, wo wir schließlich unsere etwas verspätete Mittagsrast hielten.


Inzwischen war es früher Nachmittag, also noch Zeit genug, im benachbarten Wentworth Falls die gleichnamigen Wasserfälle zu besuchen. Dazu ging es durch Leura zum Bahnhof und mit dem nächsten Zug eine Station (etwa 10 Minuten) weiter, wo wir uns den Weg zu den Wasserfällen erklären ließen: Einfach zum Darwin Walk und dem folgen! Keine Ahnung, ob der gute Darwin diesen Weg tatsächlich einmal genommen hatte, aber er führte durch eine schöne Gegend zu den allerdings etwas enttäuschenden Fällen, die (siehe oben) halt wegen des niedrigen Wasserstands weniger spektakulär waren.

Nach einem kurzen Blick auf die Wasserfälle ging es dann flotten Schritts zum Bahnhof zurück, denn wir wollten nicht unbedingt eine Stunde dort warten, um die fast dreistündige Heimfahrt anzutreten. Im Hotel mussten wir unsere Siebensachen zusammen räumen, denn für die zusätzlich gebuchte Nacht war nur noch ein anderes Zimmer frei gewesen; wir nutzten das, um schon ein wenig für die Rückreise "vorzusortieren" ...
Der nächste Tag brachte dann den schon angekündigten Wetterumschwung: Zum ersten Mal in unserem Urlaub wurde es kühler und regnerisch - so richtig passend zu unserer Stimmung. Und auch unser Tagesplan wurde über den Haufen geworfen, wenn auch nicht wegen des Wetters, und das kam so: Da meine "Tonsur" im Laufe der Jahre gewachsen ist, wollte ich mir aus Australien einen echten Akubra mitbringen (s. www.akubra.com.au), und Kirsten hatte für Martin auch an einen Hut gedacht, wenn auch mehr an den Crocodile Dundee-Typ. Wir hatten auch immer mal geschaut, wenn Gelegenheit war, an den Airports, in Darwin und so. Am ersten Tag in Sydney dann fanden wir einen Laden mit einer guten Auswahl auch an Akubras (die keineswegs überall zu bekommen sind), haben uns in Modell und Größe Passendes ausgesucht und die Adresse ganz oben auf unsere Liste gesetzt. In Katoomba am Vortag waren wir auch an einem Hutgeschäft vorbei gekommen und aus Neugier mal reingegangen: Die Auswahl war sogar noch größer, und die Preise lagen ein Stück unter denen in Sydney! Natürlich wollten wir die nicht den ganzen Tag mit uns rumtragen, und so blieb die Option, auf dem Rückweg noch einmal vorbei zu kommen.
Wie oben berichtet, führte uns der Weg nicht mehr durch Katoomba; aber wir hatten ja noch den Laden in Sydney, und dorthin führte uns nun der erste Weg. Viele "Casuals" lagen im Regal, nur - nicht mehr meine Größe! Ob vielleicht im Lager ...? Nein, das gab es nicht. Und kurzfristig beschaffen ...? Die Lieferfrist rechnet sich eher in Wochen als in Tagen! Kirsten und ich hielten Kriegsrat: Ich neigte eher zum Verzicht, aber sie machte mir klar, dass man seine Träume leben muss; es gäbe ja noch das Geschäft in Katoomba. Kirsten hat gewonnen, und heute bin ich ihr dankbar, denn in den vergangenen kalten und schneereichen Tagen hat mich mein australischer Freund - gut behütet! Und so trennten sich für die nächsten Stunden unsere Wege: Kirsten erledigte ihre Einkäufe, spazierte über die Harbour Bridge und fuhr mit der Fähre (fast bis) nach Paramatta, während ich zwei Stunden nach Katoomba fuhr, meinen Hut kaufte und mit dem nächsten Zug nach weiteren zwei Stunden wieder nach Sydney kam.

An der Central Station trafen wir uns wieder; es war kurz nach 17 Uhr und dämmerte bereits. Schnell wurden die Einkäufe ins Hotel gebracht, und dann verabschiedeten wir uns von der nächtlichen Großstadt. Mit der Bahn über die Harbour Bridge und zu Fuß zurück, Circular Quay, Opera House, Queen Victoria Building ... zum letzten Mal!

Im Gegensatz zur Reise nach Australien verlief die Heimreise problemlos: Frühstück im Hotel und Auschecken, Bahnfahrt zum Flughafen und dann über Darwin nach Singapur; dort wechselten wir zu Lufthansa, wo uns die Annehmlichkeiten der Business Class halfen, den Jetlag besser zu überstehen. So endete eher unspektakulär eine wunderschöne und unvergessliche, aber viel zu kurze Reise ans andere Ende der Welt; ich hoffe auf ein Wiedersehen mit down under!
