Berlin ist ja schon sprichwörtlich eine Reise wert, und befindet sich immer noch in einem rasanten Wandel. Ich war bereits drei Mal dort: Einmal in 1976, gleich nach dem Abi, das zweite Mal Mitte der 80er Jahre und dann wieder kurz nach der Maueröffnung; die letzten beiden Male im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit im Normenausschuss NI7 des DIN. Alle drei Besuche waren nur kurz und mit minimalem touristischem Programm. Als wir dann im September 2008 für gut eine Woche nach Berlin eincheckten, war ich auf viel Neues vorbereitet - und wurde keineswegs enttäuscht!

Den besten Überblick bekommt man natürlich von oben, in diesem Fall vom Fernsehturm aus. Und anders herum kann man sich - zumindest innerstädtisch - gut an ihm orientieren, denn man sieht ihn fast immer.

    

Und damit haben wir auch bereits den Rahmen abgesteckt, in dem wir uns in den eineinhalb Wochen bewegten (Ausnahme: Potsdam kann man denn doch nicht sehen vom Turm aus). Da war - klar - einmal das politische Berlin, nicht zu trennen von den letzten 60 Jahren deutscher Geschichte: Brandenburger Tor, Checkpoint Charlie und Mauer(reste), Reichstag und Kanzleramt, Schloss Bellevue, und auf Landesebene das Rote Rathaus (s. o.). Vieles davon sieht man ständig im Fernsehen, und so habe ich mal das Eine oder Andere in eher ungewöhnlicher Perspektive ausgewählt:

       

     

          

Auf der anderen Seite das historische und kulturelle Berlin, und der Übergang bietet sich Schinkels "Neue Wache" an, die ja als zentrale Gedenkstätte des Bundes durchaus auch eine politische Funktion hat:

  

Unter den historischen Sakralbauten ragen natürlich die drei Dome heraus (gibt es noch eine andere Stadt mit drei Domen???): Der Berliner Dom auf der Museumsinsel, und am Gendarmenmarkt der Deutsche und der Französische Dom - womit einmal mehr der alte Spruch sich bewahrheitet dass Konkurrenz das Geschäft belebt ...

     

Sehr schön renoviert sind die Hackeschen und die Sophie-Gips-Höfe, gar nicht weit vom Alexanderplatz entfernt, die ein wenig an die Hofensembles in Dresden erinnern. Und die Straße Unter den Linden mit ihren Prachtbauten wie Staatsoper, Humboldt-Universität, Staatsbibliothek etc. führt schon wieder in die politische Ebene Berlins

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Die kulturelle Seite ist dann gleich nebenan, zuerst - nomen est omen - auf der Museumsinsel, wo wir im Pergamonmuseum nicht nur den namensgebenden Altar, sonder auch eine sehr interessante Ausstellung über "Babylon - Geschichte und Mythos" gesehen haben. Leider waren die Infrastruktur (sprich Klimatisierung) und das Personal weit unter dem Niveau der Exponate.

     

Kultur (?!) neueren Datums allerdings haben wir auch nicht ausgelassen: Ein unterhaltsamer Abend, inhaltlich unserem Alter entsprechend, im Theater am supermodernen Potsdamer Platz und beworben auch in der U-Bahn

     

Natürlich haben wir auch das Zentrum von West-Berlin besucht mit Gedächtniskirche und Ku-Damm, KaDeWe, Europacenter und Tiergarten, nicht zu vergessen die Siegessäule, liebevoll "Goldelse" genannt, aber durch die Wiedervereinigung ist der Schwerpunkt der Stadt doch nach Osten gewandert; so trägt der Bezirk Mitte seinen Namen heute sicher sehr zu Recht.

Dass die Spree durch Berlin fließt, war mir ja nicht wirklich neu. Und so hatten wir uns vorgenommen, die Stadt auch einmal vom Fluss aus anzusehen, und es war ein guter Ansatz, im Ergebnis irgendwo zwischen Frankfurt und Hamburg: Während man in Frankfurt vom Main aus nur relativ wenig von der Stadt sehen kann, in Hamburg auf der Alster dagegen fast in die Gärten der Häuser hineinfährt, kann man bei einer Fahrt auf der Spree viele der Attraktionen anschauen, die man auch "auf dem Landweg" besucht - aber aus einem ganz anderen Blickwinkel! Wir haben die Fahrt von Charlottenburg durch das Regierungsviertel, an der Museumsinsel vorbei bis nach Treptow zur neuen O2-Arena mitgemacht und sind auf dem Rückweg am Märkischen Ufer ausgestiegen; dabei sind etwa die Bilder vom Reichstag und der Mauer oben entstanden, aber auch etliche andere, von den "Highlights" wie Hauptbahnhof, die Häuser des Bundestags, Fernsehturm (mit interessanter Bahnstrecke!), Berliner Dom (mit Museums-Baustelle) und O2-World ...

     

         

           

... wie auch von weniger Bekanntem, wozu etwa unser Schiff und die "Rückseite"des Nikolaiviertels gehören:

     

          

              

Sie zeigen aber auch, dass hier - wie etwa auch in Frankfurt - der Fluss als Kristallisationspunkt wieder stärker in den Mittelpunkt rückt. Wohnen am Fluss, auch unter Einbeziehen alter Bausubstanz, ist wieder attraktiv, und so gewinnt er als Lebensader auch in Berlin, wo er ja lange Zeit (tödliche) Trennlinie war, neue Bedeutung.

Wir sind übrigens noch einmal zum Ausgangspunkt unserer Schiffstour zurück gekehrt und haben uns das Schloß Charlottenburg mit seinen Sammlungen und vor allem den schönen Gärten angesehen, wovon die beiden Bilder einen kleinen Eindruck geben

           

Und doch wird das noch übertroffen durch Sanssouci in Potsdam, das wir am letzten (ganzen) Tag unseres Berlin-Aufenthalts besuchten. Das eigentlich eher kleine Schloss liegt in einer riesigen Parkanlage, in der man stundenlang umherwandern kann. Mit entsprechender Kleidung und Schuhen ein Vergnügen, aber man fragt sich, wie die Herren und vor allem Damen früherer Zeiten damit zurecht gekommen sind - wahrscheinlich kamen da doch des öfteren Kutschen zum Einsatz ...

     

Natürlich war auch die Innenausstattung gediegen, wie man sieht, und im Laufe der Zeit wurden auch weitere Gebäude errichtet (unter anderem eine Windmühle, die mir aber nicht so ganz passend erschien). Die ganze Anlage ist eine Augenweide, mit breite und versteckten schmalen Wegen, Skulpturen und immer neuen Ein- und Ausblicken.

  

Man sollte aber Potsdam nicht auf Sanssouci reduzieren: Auch das Städtchen selbst ist sehenswert mit seinem Brandenburger Tor (ja, richtig gelesen, das gibts auch hier!), einer schönen kleinen Fußgängerzone und dem Holländischen Viertel; das hatte Friedrich errichten lassen, damit sich seine holländischen Bauleute in der Mark Brandenburg wohlfühlen sollten, und dort findet sich auch der Laden, in dem Wilhelm Voigt seinerzeit die Uniform erstand, in der er zum Hauptmann von Köpenick avancierte! Mit all dem bietet Potsdam einen ruhigen, liebenswerten Gegensatz zum nahen Berlin.

   

          

Zum Schluss noch ein ortstypisches (oder doch nicht?!) Thema: Die Berliner Bären. Bereits in den ersten Tagen unseres Aufenthalts fielen uns verschiedentlich diese netten Tierchen auf - in vielerlei Gestalt und durchaus hübsch anzusehen:

     

Das erinnerte mich ein wenig an Toronto, wo ich vor Jahren einer ähnlichen Population von Elchen begegnete, die dann wohl für wohltätige Zwecke verkauft wurden. Dass es dazu durchaus eine Parallele gibt, erkannten wir aber erst, als wir in der Nähe der Museumsinsel in einem Einkaufszentrum das "Nest" der Bären entdeckten und dabei folgende lesen konnten:

                         

Und dieses Nest will ich dem geneigten Gast meiner Homepage nicht vorenthalten, in toto und mit einigen Beispielen, die mir besonders gut gefallen haben

     

Und damit soll unser kleines Reise-Tagebuch nun enden. Es waren schöne Tage, die uns die vielen Seiten Berlins näher gebracht haben. Manches würden wir uns gerne noch oder näher anschauen, zum Beispiel den Wannsee, Potsdam oder den Spreewald, und auch in Berlin selbst gibt es sicher noch viel zu entdecken. Aber so weit ist das ja gar nicht, wie wir jetzt wissen ...